Europäischer
Übersetzerpreis 2010: Auszeichnung der Stadt Offenburg und der Hubert-Burda-Stiftung für kulturelle Botschafter
„Wenn wir aufhören, uns zu übersetzen, hören wir auf, uns zu verstehen, und dann hören wir auf, miteinander zu leben“. Diese einprägsamen Worte von Karl Dedecius, dem Juror des ersten Europäischen Übersetzerpreises im Jahr 2006, standen am vergangenen Sonntag erneut im Mittelpunkt der inzwischen dritten Preisverleihung im „Salmen“ in Offenburg. Die Auszeichnung, die von der Stadt Offenburg und der Hubert-Burda-Stiftung aus der Taufe gehoben wurde, ist ein Appell für die Anerkennung der enormen Leistung von Literaturübersetzern im Rahmen des Europäischen Integrationsprozesses.
Eine mit Verlegern, Übersetzern, Journalisten und Vertretern der Stadt Offenburg hochkarätig besetzte Findungskommission hat, nach Polen und Frankreich, in diesem Jahr Dänemark in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt. Der Hauptpreis, dotiert mit 15.000 Euro, ging an Hanns Grössel. Der Übersetzer, Herausgeber und Kritiker schwedischer, französischer, aber vor allem auch dänischer Literatur, erhielt den Europäischen Übersetzerpreis für eine ausgesprochene Sensibilität seiner Übersetzungen dänischer Lyrik, allen voran der Werke von Inger Christensen, der 2009 verstorbenen, bedeutendsten Lyrikerin Dänemarks. Christensen galt immer wieder als aussichtsreiche Kandidatin für den Literaturnobelpreis. Der Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro ging an Peter Urban-Halle. Sein großer Wissensschatz über Dänemarks gesellschafts- und kulturpolitische Entwicklung spiegelt sich auch in seinen Übersetzungen bedeutender Werke zeitgenössischer Autoren, wie Bestsellerautor Peter Høeg, wieder. Übersetzer sind Brückenbauer. „Ihre geistigen Brücken entfalten eine noch viel stärkere Kraft als die zu Stein gewordenen Kunstwerke der Ingenieure“, so Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. „Diese Brücken bilden ein dichtes Geflecht, durch das die Völker Europas miteinander verbunden und zusammengehalten werden.“ Die Festrede zum Europäischen Übersetzerpreis 2010 hielt Per Øhrgaard, ein ausgewiesener Experte für vergleichende deutsche und dänische Literatur sowie für politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen des Königreichs zu Deutschland. Øhrgaard sprang spontan für den Schriftsteller Siegfried Lenz ein, der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, und erntete für seine humorvolle, kurzweilige und mit feiner Ironie versehene Rede über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Dänen und Deutschen den langanhaltenden Applaus der rund 300 geladenen Gäste.




