Kinder? Na klar!
Karriere? Auf jeden Fall!
Ulrike Zeitlinger (Foto) hat zwei verantwortungsvolle Ämter: Sie ist Mutter (von Ben) und Chefredakteurin (von freundin). Beides mit Leib und Seele, beides erfolgreich. Und sie legt Wert darauf, in ihrer Redaktion nicht die einzige mit doppeltem Mandat zu sein: „Kein erfolgreiches Unternehmen kann es sich dauerhaft leisten, auf qualifizierte Mitarbeiterinnen zu verzichten, weil sie Mutter geworden sind.“ Für die aktuelle Ausgabe der freundin ließen sich die „Working Mums“ der Redaktion mit ihrem Nachwuchs porträtieren. Sie erzählen, wie sie den Spagat zwischen Kind und Karriere schaffen.
Textchefin Katja Hertin (42) hat die fünfjährigen Zwillinge Victor und Theresa und einen Vollzeitjob. „Ich wollte voll arbeiten, aber auch eine gewisse Flexibilität für die Kinder behalten.“ Deshalb arbeitet sie bis heute freitags von zu Hause aus. „Bei mir funktioniert das Modell gut. Obwohl es natürlich manchmal schon hart war, vor allem mit den üblichen Kinderkrankheiten in den ersten drei Lebensjahren. Eins der Kinder war immer zuhause.“
Besonders wichtig sei es deshalb, dass sie einen Mann habe, der sie nach Kräften unterstützt. Keine Selbstverständlichkeit: „Wenn es drauf ankommt, soll in vielen Beziehungen immer noch die die Frau zurückstecken“, so Katja Hertin. Auch die Burda Bande, die betriebsnahe Kindertagesstätte, habe ihr Vieles erleichtert.
Die freundin-Redaktion ist zu 90 Prozent weiblich – naturgemäß werden Kolleginnen schwanger. Die werdenden Mütter sind meist erfahrene Schreiberinnen, Grafikerinnen, Assistentinnen. Qualifizierte Arbeitskräfte, die schwer zu ersetzen sind und auf die das Team ungern verzichten möchte. Deshalb versucht der Verlag, flexible Arbeitszeitmodelle zu finden. Erstmal nur fürs Kind da sein oder sich auch selbst weiter verwirklichen - „es ist immer die Frage, was die Frauen persönlich wollen“, so Hertin. Aber die Mütter, die nach ihrer Auszeit zurückkämen, hätten dann auch Lust darauf, wieder zu arbeiten. 
Dass die Leistung trotz Kind nicht nur stimmen muss, sondern aus der persönlichen Motivation heraus stimmt, bestätigen Claudia Klos (37) und Ulrike Schädlich (38), die beide in Teilzeit arbeiten. „Ich habe mich richtig auf den Job gefreut“, sagt Schädlich. Tochter Emma ist ein Jahr alt, sie ist seit dem vergangenen Oktober wieder als Kulturredakteurin tätig. Und auch, wenn es manchmal hektisch wird, hält sie es für einen großen Irrtum, dass Teilzeit in punkto Leistungsfähigkeit ein Hindernis ist. „Das ist alles eine Frage der Organisation. Mütter in Teilzeit sind genauso engagiert, wie Vollzeitkräfte.“
„Mütter, die die Chance bekommen haben, auf diese Art wieder einzusteigen, wissen das meist zu schätzen und engagieren sich besonders“, sagt auch Claudia Klos. Sie war früher Model-Bookerin bei freundin. Als sie wegen ihrer heute sechsjährigen Tochter Sophie in Mutterschutz ging, wollte sie zunächst fürs Kind da sein und zwei Jahre pausieren. Dann wurde sie mit Tim, heute drei, schwanger und verlängerte die Auszeit. Die Vollzeitstelle von früher konnte sie nicht mehr ausfüllen – aber die ihr im Gegenzug angebotene Teilzeitstelle als Redakteurin im Kochressort. „Man selbst sollte nicht starr an seinem Job von früher festhalten, sondern eine neue Aufgabe als Chance begreifen“, sagt Klos. Allerdings müsse sich auch der Arbeitgeber bemühen, alternative Teilzeitlösungen zu finden. „Mir hat das den Wiedereinstieg leicht gemacht.“
Dass all dies ist ein Anfang aber noch lange keine Normalität ist, wissen die freundin-Kolleginnen aus eigener Erfahrung. Mehr Teilzeitmodelle, Ganztagsbetreuung in der Schule und vor allem weiter Umdenken, wenn es um Mütter im Beruf geht, sehen sie als die wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunft. „Es wird noch ein wenig brauchen, bis sich die Gesellschaft wirklich verändert hat“, sagt Katja Hertin.
(cbl)




