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27. Januar 2012 - 16:22
Ereignisse

Mit Kunst die Welt
verändern

Sie wirkt zart, fast zerbrechlich, doch der erste Eindruck täuscht. Yoko Ono sitzt aufrecht mit schwarzer Sonnenbrille und schwarzem Hut in ihrem DLD-Sessel und verkündet dem voll besetzten Saal äußerst lebhaft ihre Botschaft: „I – love – you!“ Bei jedem der drei Worte lässt sie eine kleine weiße Taschenlampe aufleuchten. „Viele Menschen haben ein Problem damit, ,Ich liebe dich‘ zu sagen. Mit der Taschenlampe fällt das gar nicht mehr so schwer.“

Auf künstlerische Weise Liebe und ein Lächeln in die moderne Welt zu bringen, hat sich die „Bed-in“-Ikone zur Aufgabe gemacht. Zum Auftakt der fest zur Konferenz gehörenden DLD-Kunstsessions, sprach sie mit Galerist Hans Ulrich Obrist über ihren Einsatz für Frieden und Menschenrechte, Kult-Projekte wie die einst mit John Lennon gestartete Kampagne „War ist over – if you want it“ und ihren partizipatorischen Ansatz. „Wir haben verlernt, zu kommunizieren“, so die Multimedia-Künstlerin, Filmemacherin und Komponistin. Sie will mit ihrer Arbeit Menschen wieder miteinander verbinden, um dadurch „diese unglaubliche Energie, die uns liegt, freizusetzen“.

Ono setzt dafür auf Aktivierung, wie sie es schon mit ihren seit den 60er Jahren kontinuierlich weitergeführten „Instructions“ getan hat – Anleitungen für Werke. „Ich liebte die Idee, Menschen nichts Vorgefertigtes, Definitives an die Hand zu geben, sondern es mit den Instruktionen geschehen zu sehen“, sagte sie in München. So ging es in den „Instructions“ nicht um die Exaktheit der Umsetzung ihrer Idee, sondern den Akt der Interpretation in der Kunst. „Newtopia“ nennt Yoko Ono diese Vision einer besseren, friedvollen Welt, zu der auch das Projekt „Smile“ gehörte. Für ihren kranken Sohn habe sie sich einmal, zunächst vor dem Spiegel, zum Lächeln gezwungen – und gemerkt, wie sie schließlich nicht nur mit dem Gesicht, sondern mit ihrem gesamten Körper lächelte. So entstand die Idee, Menschen aufzufordern, sich beim Lachen aufzunehmen. Zum Schluss kommt Yoko Ono dann nicht um ein Beatles-Zitat herum: „Klar sie denken jetzt ,Die ist sowas von Sixties' - aber es stimmt: All you need is love.“

Die Welt zu einem besseren Platz für alle machen und dafür Kunst nutzen – das ist auch Ziel des in Berlin lebenden dänischen Künstlers Olafur Eliasson. Er stellte bei DLD12 das „Ecopreneurship“-Projekt „Lighting Afrika“ vor, das Design und Entwicklungshilfe verbindet. Weit über die Hälfte aller Afrikaner hat keinen Zugang zum Stromnetz – für Wirtschaftswachstum sieht es düster aus. Eliasson will dies mit einer solarbetriebenen LED-Lampe ändern. Das praktische Design-Objekt, das aussieht wie eine kleine knallgelbe Sonnenscheibe, funktioniert per Solarzellen und macht Benutzer unabhängig vom Stromnetz.

Zusammen mit seinem Geschäftspartner Frederik Ottesen hat Eliasson das Start-up „LittleSun“ gegründet und einen Prototyp der Lampe von Dorfbewohnern in Afrika testen lassen. Mit einer wesentlich besseren Lichtqualität als die einer Öllampe, einem „unglaublich günstigen Preis“ und vor allem der Ausrichtung am Bedarf will er schon bald Licht nach Afrika bringen.

Kunst und Design sind in jedem Jahr wesentlicher Teil der DLD-Konferenz. Das Finale der Kunstsessions 2012 gehörte mit „Ways Beyond the Internet“ den jungen Wilden. Gleich sieben Jungs in Jeans und Turnschuhen erklärten, wie „Post-Internet“-Kunst aussehen kann. Dabei ist „Post“ nicht als Sehnsucht nach der Offline-Zeit zu verstehen, sondern als Umgangsform von „Digital Natives“ mit Kunst in einer Zeit, in der das Internet selbstverständlicher Teil der Lebenswelt ist. Videos, Installationen, Bilder – die vielfältigen Formen dieses Post-Internet-Konzepts konnten die Teilnehmer von DLD12 im Hypovereinsbankforum München gleich selbst erleben: Mit der Ausstellung zum Panel war Kunst drei Tage lang Teil des Digital-Kongresses.

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