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11. Juni 2009 - 15:17
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Wirtschaftswunderfrau

Die „Wirtschaft zum Bädle“ in Lahr ist grau wie Nachkriegsdeutschland. Ein zweistöckiger Bau mit einer schmutzigen Fassade, von der der Putz bröckelt. Im Saal, wo einst Theateraufführungen stattgefunden und Musikkapellen zum Tanz aufgespielt haben, bollert ein Kanonenofen. Kohlenhaufen und Schippe fordern zum Nachlegen auf. Die Wände sind verrußt, die Fenster so weit oben, dass nur der Blick auf ein Stück Himmel und Tannenspitzen zu erhaschen ist. Aenne Burda stört sich nicht an der Schäbigkeit der Behausung. In schwarzen Lettern auf weißem Grund lässt sie 1949 „Modenverlag A. Burda“ auf die ruinöse Hausfassade pinseln.

Der Wirtshaussaal, in dem es noch immer nach Tropfbier stinkt, ist Sitz ihres Verlags, der Stuhl hinter dem Schreibtisch im ersten Stock ihr Chefsessel. „Was der Senator gemacht hat, war ja gut und schön, aber ohne Aenne hätte das alles nie existiert, das Modeimperium hat sie gemacht“, zollt Karl Lagerfeld der Freundin Respekt. Und ThyssenKrupp AG-Ehrenvorsitzender Berthold Beitz glaubt: „Ohne Aenne und Burda Moden wäre der Laden gar nicht so groß geworden.“ Für ihn, der das Ehepaar in den 50er Jahren kennenlernte, war Aenne die größere Unternehmerpersönlichkeit. „Sie war ein Naturtalent“, sagt Beitz und bewundert, dass sie stets aus einem sicheren Gefühl heraus, klar und ohne zu zögern gehandelt habe. Keine Zweite in Deutschland habe aus dem Nichts ein solches Unternehmen geschaffen, so der Großindustrielle: „Sie ist die Wirtschaftswunderfrau!“
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